Referat von Dr. med. Jutta Bohn am 25. 11. 2014: Meine CED ist nicht alleine „Schmerzen am Bewegungsapparat“

Wenn man eine chronisch entzündliche Darmerkrankung hat, könnte man auf weitere Krankheitserscheinungen gut verzichten, sagte die Oberärztin Dr. med. Jutta Bohn, Internistin und Rheumatologin an der Medizinischen Klinik Juliusspital in Würzburg bei ihrem Vortrag zum Thema „Meine CED ist nicht alleine – Schmerzen am Bewegungsapparat“ bei unserem Gruppentreffen am 25.11.2014.

Dr. med. Jutta Bohn

Leider komme es bei entzündlichen Darmerkrankungen auch zu Beschwerden außerhalb des Magen-Darm-Traktes und häufig ist dabei der Bewegungsapparat mitbetroffen. Typische Symptome finden sich in Form von Gelenkentzündungen unterschiedlicher Gelenkregionen, die zum Teil gleichsinnig zur Darmentzündung, zum Teil auch unabhängig von der Krankheits-Aktivität im Darm verlaufen können. Schwierigkeiten bei der Diagnosestellung bereitet manchmal die entzündliche Wirbelsäulenbeteiligung, die der Darmerkrankung auch Jahre vorauseilen kann und sich in Form eines entzündlichen Rückenschmerzes bemerkbar macht.

Bei der Behandlung dieser Gelenkveränderungen werden überwiegend Medikamente verwendet, die auch bei der Behandlung der Grunderkrankung eingesetzt werden. Besondere Aufmerksamkeit benötigt die Behandlung mit Schmerzmitteln. Die sonst bei Schmerzen am Bewegungsapparat gern eingesetzten Medikamente aus der Gruppe der entzündungshemmenden Schmerzmittel (z.B. Diclofenac oder Ibuprofen) können die entzündlichen Darmveränderungen verschlechtern.

Ein weiteres wichtiges Thema im Verlauf der Krankheit – und generell im höheren Lebensalter – ist die Osteoporose. Als Risikofaktoren hierfür gelten neben dem weiblichen Geschlecht und zunehmenden Lebensalter auch ein niedriges Körpergewicht, große Mengen Alkohol, Nikotinkonsum und Immobilität. Speziell für Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung sind an weiteren möglichen Ursachen noch eine chronische Entzündung im Körper, eine länger andauernde Cortisonbehandlung und Mangelernährung zu erwähnen.

Da sich eine Osteoporose erst im weit fortgeschrittenen Stadium mit Symptomen wie dumpfem Rückenschmerz oder Knochenbrüchen bemerkbar macht, lohnt es, bereits frühzeitig gezielt danach zu suchen, wenn Risikofaktoren vorliegen. Dies kann gut mit Hilfe der Knochendichtemessung erfolgen. Anhand des Ergebnisses kann die weitere medikamentöse Behandlung der Osteoporose, die heutzutage gut durchgeführt werden kann, geplant werden. Als grundsätzliche prophylaktische Maßnahmen sind ausreichende Aufnahme von Kalzium und Vitamin D zu empfehlen sowie regelmäßige Bewegung.

„Besonders Patienten mit voroperiertem Morbus Crohn, die Anteile ihres Dünndarmes eingebüßt haben, sollten mit ihrem betreuenden Arzt besprechen, welche Art der Vitaminaufnahme sinnvoll und notwendig ist“, so Dr. Bohn.abschließend.

Nach ihrem Referat stand Dr. Bohn dankenswerterweise für Fragen von Gruppenmitgliedern zur Verfügung.