Juliusspitälischer Abend am 26.09.2016 mit Prof. Dr. Scheppach

Prof. Scheppach beim Referat

 

 

 

 

 

 

Thema: „Neuigkeiten bei der medikamentösen Therapie chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (CED)“.
Referent: Prof. Dr. med. Wolfgang Scheppach (Juliusspital Würzburg)

Von Prof. Scheppach wurden folgende Themenkreise angesprochen:

  1.  Die Entwicklung neuer Medikamente ist ein langwieriger Prozess. Oftmals ergeben sich Ansprechraten und Nebenwirklungen erst in der Langzeitbeobachtung. Das Neueste ist nicht immer das Beste! Bei konservativer Verschreibung wird zunächst denjenigen Wirkstoffen der Vorzug gegeben, deren Wirkungsprofile seit langem bekannt sind.
  2. Bei der Therapiesequenz der CED sollte beachtet werden, dass nur in etwa der Hälfte der Fälle ein chronischer Krankheitsverlauf zu erwarten ist. Beim Einsatz des Medikaments mit der höchsten Wirkungspotenz gleich zu Beginn wird somit die andere Hälfte der Patienten mit günstigem Spontanverlauf übertherapiert. Bewährt hat sich ein beschleunigtes „Step-up“, bei dem man sich an den Krankheitsverlauf „von unten“ herantastet, jedoch bei unzureichender Wirkung relativ zügig zur nächsten Therapiestufe übergeht.
  3. Antikörper gegen Tumornekrosefaktor alpha (TNFα) sind nach Versagen oder Unverträglichkeit von Azathioprin zum Standard geworden. Unter laufender Therapie wird allerdings oft ein Wirkungsverlust beobachtet, der eine Dosiserhöhung, eine Intervallverkürzung oder einen Präparatewechsel erfordert. Hinzuweisen ist auf die Möglichkeit einer Kombinationstherapie aus TNFα-Blocker und Azathioprin, insbesondere bei M. Crohn.
  4. Nach Ablauf des Patentschutzes von Infliximab (Remicade®) drängen so genannte Biosimilars als Nachahmerprodukte auf den Markt, die dem Original ähnlich, aber nicht mit ihm identisch sind. Diese wurden bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen auf ihre Wirksamkeit getestet; nach den Regeln der European Medical Agency (EMA) bedarf es in der Folge keines gesonderten Nachweises bei CED. Nachdem Biosimilars ca. 20% billiger als das Original sind, werden Ärzte von den Krankenkassen unmissverständlich aufgefordert, Neueinstellungen mit diesen vorzunehmen. Wie weiter oben ausgeführt wird die Langzeitbeobachtung zeigen, ob diese ökonomisch geprägte Vorgehensweise medizinisch unbedenklich war.
  5. Innovative Medikamente, die sich kurz nach oder kurz vor der Zulassung befinden, sind Vedolizumab und Ustekinumab. Man wird diese Medikamente derzeit nach einem Therapieversagen von TNFα-Blockern einsetzen. Grundsätzlich ist es begrüßenswert, wenn das Spektrum der therapeutischen Möglichkeiten um weitere Substanzen erweitert wird. Ihr tatsächlicher Stellenwert wird sich wiederum erst in der Langzeitbeobachtung herauskristallisieren.
  6. Der Verzicht auf das Zigarettenrauchen entspricht zwar keinem Medikament im engeren Sinn, ist aber zumindest bei M. Crohn so gut wie der Einsatz eines Immunsuppressivums. Diesen Punkt sollten Patienten beachten, bei denen die Therapie immer weiter eskaliert werden muss.

An die vorgestellten Themen schlossen sich lebhafte Diskussionen an, besonders bei der Besprechung der Biosimilars. Angesichts des großen Interesses an der Veranstaltung ist geplant, einen weiteren Juliusspitälischen CED-Abend am 26. September 2017 abzuhalten.